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125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]


Erwin Barth (1889-1933)Erwin Barth (1880-1933)

Aus einer Lehrerfamilie stammend, wurde Erwin Barth am 28.11.1880 in Lübeck geboren. Als der Vater bereits 1883 starb, gelang es der Mutter, die damit entstehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überbrücken. Um Mutter und Schwester zu entlasten, verließ der naturwissenschaftlich hochbegabte und interessierte Barth mit der Obersekundareife die Schule und begann eine Gärtnerlehre. Nach dreijähriger Lehr- und Gehilfenzeit ging er an die Kgl. Preuß. Gärtner-Lehranstalt in Wildpark, wo er sich besonders der bildenden Gartenkunst widmete.

Als Gartentechniker begann Barth 1902 in Hannover seine Laufbahn, wurde 1903 nach Bremen empfohlen, arbeitete 1904 als "erster Gartenarchitekt" bei einer Düsseldorfer Firma, war zusätzlich mehrfach in öffentlichem und privatem Auftrag in Hannover tätig, leistete 1903/04 auch den Militärdienst, bis 1906 an der Gärtnerlehranstalt - inzwischen nach Dahlem verlegt - die Obergärtner-Prüfung in der Gartenkunst erfolgte. Seit 1909 konnte er sich "Staatlich diplomierter Gartenmeister" nennen. 1906-08 arbeitete er als Geschäftsführer in Köln, entwarf eine Reihe privater Hausgärten und nahm erfolgreich an einigen Wettbewerben teil. 1908 erfolgte die Berufung zum Stadtgärtner in Lübeck. Hier fand er Anlass, sich ausgiebig mit Problemen des Friedhofswesens, der Spiel- und Sportanlagen, der Kleingärten und des Natur- und Landschaftsschutzes auseinanderzusetzen. Weiterhin entwickelte er seine Grundsätze der Landschaftsgestaltung und naturbezogener Landschaftsplanung. Barth erweist sich als Mittler zwischen dem herkömmlichen Stil der Architekturgärten und den modernen, ökologisches Gedankengut aufnehmenden Konzepten. Die seiner Ausbildungsstätte gemäße Bewahrung und Weiterentwicklung Lennéscher Vorstellungen ist auch bei ihm unverkennbar, sofern der originale Zustand seiner Garten- und Parkanlagen überhaupt noch rekonstruierbar oder gar erkennbar und damit interpretierbar ist.

Barth liebte seine Heimatstadt, war aber mit seinen dienstlichen Kompetenzen höchst unzufrieden, weshalb er sich auf freie Stellen bewarb, so auch auf die des Gartendirektors von Charlottenburg, mit dem Ziel, durch Bleibeverhandlungen bessere Bedingungen zu erreichen. Der Lübecker Senat blieb starr, doch um das Gesicht zu wahren, ging er 1912 nolens volens nach Charlottenburg. Diese damals sehr wohlhabende Stadt ermöglichte ihm, seine Vorstellungen in künstlerisch-ästhetischer wie auch in sozialer Hinsicht (Volksparkgedanke) zu verwirklichen. Dabei war er so erfolgreich, daß er 1925 als einziger Kandidat aufgestellt und zum Stadtgartendirektor Groß-Berlins gewählt wurde. Seit 1921 an der TH Dozent, seit 1927 Honorarprofessor für Gartenkunst, setzte er sich für die wissenschaftliche Aufwertung der Gartenarchitektur und -gestaltung zum Hochschulfach ein. 1929 wurde er zum Ordinarius für Gartengestaltung an die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin berufen und war damit seinem hochschulpolitischen Ziel ein wesentliches Stück näher gekommen. Schon Anfang 1933 geriet er in Konflikt mit den Nationalsozialisten und befürchtete die Einweisung in ein Konzentrationslager. Barth starb am 10. Juli 1933 durch Selbstmord.

Auf seine Entwürfe gehen u.a. zurück: Lietzenseepark, Brixplatz (1921 als "ökologische" Anlage fertiggestellt), Karolingerplatz, Mierendorffplatz, Volkspark Jungfernheide und der Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf.

Lit.: Erwin Barth. Gärten, Parks, Friedhöfe; Katalog zur Ausstellung, Berlin 1980.

[M. E.]